Freitag, 25. November 2016

Donjon Zenit – Der König der Krieger

Verlag: Reprodukt
Autor: Joan Sfar & Lewis Trondheim
Zeichner: Lewis Trondheim
Handlettering: Michael Möller
Erscheinungsjahr: 2008

«Du kannst nichts lernen, wenn andere
die Arbeit für dich erledigen...»
 
- «Doch, klar... Ich lerne, dass andere meine
Arbeit machen können.»

Zur Handlung:
Wer ein richtiger Wächter des Donjon sein möchte, der muss sich auch aufs Kämpfen verstehen. Deshalb wird Herbert, der tollpatschige, aber nichtsdestotrotz todesmutige Enterich, von Hyazinth zu einem Meister der Kriegskunst geschickt, der ihm sämtliche Tricks und Kniffs beibringen soll. Bewaffnet mit Feder und Holzstöckchen hat er dabei jede Menge Abenteuer zu bestehen – mit Sonja, der rothaarigen nackten Riesin, den fünf Zwergvampiren, Henri, der linken Maus, und Millionen von blutrünstigen Orks… (Quelle: Reprodukt)

Meine Meinung zur Story:
Bevor ich zu der Handlung komme, muss ich ein paar Worte vorausschicken. Die Serie "Donjon" besteht aus vielen Bänden. Ich habe für diesen Beitrag einen herausgepickt, als kleinen Vorgeschmack, was einen auf dieser abenteuerlichen Reise erwartet. Die Serie ist in mehrere Zeitalter gegliedert: "Morgengrauen", "Zenit" und "Abenddämmerung". Dazu gibt es noch die Spin-Offs namens "Parade", und "Monster", in dem die Geschichte einzelner Figuren, denen man im Verlauf der Bände begegnet, erzählt wird. Die Zeitalter sind über die Bände kontinuierlich und unfaßbar gut ineinander verflochten. Jede Figur hat ein glaubwürdiges Eigenleben, eine Geschichte sowie eigene Konflikte und Antriebe – ohne dabei den Leser zu überfordern. Die Fäden werden dabei nie fallengelassen. Im Gegenteil: manche Figuren bestehen über mehrere Zeitalter und entwickeln sich. Einige stoßen neu dazu, andere wiederum sterben. Viele sogar. Donjon strotzt zwar vor derbem und urkomischem Humor, ist aber auch sehr blutrünstig und für Kinder nicht geeignet, zumal es auch erotisch zu und her gehen kann.
Nun zur Story und warum ich diesen Band gewählt habe. "Der König der Krieger" ist der zweite Band der Reihe "Zenit" und konzentriert sich auf die Entstehung des Hauptprotagonisten Herbert von Vaucanson. Auch bekannt als Herbert, die Ente. Einen trotteligen und vorwitzigen Erpel, der nie um einen altklugen Spruch verlegen ist und selten um ein Fettnäpfchen herumtanzt. Dieselbe Faszination, mit der ich die Entwicklung der Fähigkeiten eines Superhelden verfolge, hat mich auch dazu veranlasst, dieses Album der Serie zu wählen. Mit einem entscheidenden Unterschied: Bei Superheldenfilmen intereßiert es mich einen Scheißdreck, was danach passiert. Donjon schafft es hingegen, das Gegenteil zu erreichen. Man möchte immer mehr lesen.
Der Comic scheint um das Zitat "die Feder ist mächtiger als das Schwert" herum aufgebaut zu sein, wirkt aber keinesfalls hinkonstruiert (zumal ich nicht mal sicher bin, ob dieser Spruch in der Originalsprache Französisch überhaupt existiert). Die Geschichte ist sowohl im einzelnen Band, als auch über die ganze Serie hinweg einfach exzellent orchestriert. Man merkt durch und durch, dass hier zwei erfahrene (oder virtuose) Autoren am Werk waren. Das Abenteuer ist irrwitzig ohne plump zu wirken, spannend und grundsympathisch. Die Fantasywelt bedient sich bekannter Clichés, überführt viele davon aber gekonnt in die eigene Welt.

Meine Meinung zu den Zeichnungen:
Die Zeichnungen von (wahrscheinlich Lewis Trondheim, nicht explizit erwähnt, da beide Autoren auch Zeichner sind) untermalen das Geschehen gut. Die gleichbleibende Strichdicke ist zwar an sich ohne Dynamik, aber wer Trondheim mag, stört sich daran nicht, zumal es eines seiner Markenzeichen ist. Hier liegt allerdings der einzige Minuspunkt: die Zeichnungen wirken stellenweise etwas krakelig und die Kolorierung in Mustern wie Backsteinmauern ist für meinen Geschmack etwas zu fest mit Verläufen versehen. Allerdings ist das ein verzeihliches Manko, das durch die fantastische Geschichte mehr als wett gemacht wird. "Story is King" heißt es ja. UND: im weiteren Verlauf der Bände wechseln die Zeichner immer wieder. Wahrscheinlich, um sich auf die Geschichten zu konzentrieren und den Output zu gewährleisten. Das kann Fluch und Segen zugleich sein, da die Auswahl der Zeichner zwischen meisterhaft und gewöhnungsbedürftig schwankt. Aber wie gesagt: Story. Is. King.

Interessiert?
Wer Lust auf dieses Abenteuer-Epos hat, der findet es unter diesem Link oder beim Comic-Händler seines Vertrauens: http://amzn.to/2gFdh1G

Fazit:
Die Donjon-Serie ist ein grandioses Meisterwerk, das einen Sonderplatz in jeder Sammlung verdient! Der Band "Der König der Krieger" kriegt von mir einen minimalen Punkteabzug aufgrund der teilweise etwas schwächelnden Zeichnungen und Kolorierung.
Dieser Band: 4/5 Sterne ⭐️⭐️⭐️⭐️ Die Donjon-Serie verdient 5/5 Sterne ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️

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